Schleswig-Holstein Fußballverbung

"Total genial" - Schleswig-Holsteiner bei EM in Portugal

"Total genial" - Schleswig-Holsteiner bei EM in Portugal

Nach der Weltmeisterschaft in Brasilien und der Europameisterschaft der U 19 in Ungarn folgte vom 20. Juli bis 2. August die Europameisterschaft im „CP-Fußball“ in der portugiesischen Stadt Maia. Der CP-Fußball oder „7-A-Side-Football“ ist Fußball für Menschen mit cerebral parese (engl. cerebral palsy, kurz: CP), eine Hirnschädigung, die sich auf die Motorik auswirkt. Die Europameisterschaften sowie die Weltmeisterschaften werden von der Cerebral Palsy International Sports and Recreation Association (CPISRA) organisiert und veranstaltet. Gespielt wird nach modifizierten FIFA-Regeln, indem 7 Spieler (6 Feldspieler und 1 Torwart) auf einem verkleinerten Spielfeld miteinander agieren. Die Spieldauer beträgt 2 x 30 Minuten mit einer 15-minütigen Halbzeitpause. Es wird ohne Abseitsregel gespielt, der Ball darf eingeworfen sowie eingerollt werden.

Obwohl der CP-Fußball seit 1984 ein fester Bestandteil der Paralympischen Sommerspiele sei, wurde der erst zu Beginn dieses Jahres in das Inventar des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und somit in die Reihen des Nationalen Paralympischen Komitees aufgenommen. Demzufolge nahm auch die deutsche CP Nationalmannschaft zum ersten Mal an einem internationalen Wettbewerb teil. Mit dabei in Portugal war Jonas Becht, ein Schleswig-Holsteiner aus der Landeshauptstadt Kiel.

Der dreiunddreißigjährige Diplom-Verwaltungswirt dürfte als einer der wenigen sich sein Traum erfüllen und das deutsche Fußballnationalmannschaftstrikot überziehen: „Es war total geil! Es erfüllte mich jedes Mal mit Stolz, zusammen mit meinen Mitspielern die deutsche Hymne singen zu dürfen.“ Die Erfahrung bei der Europameisterschaft in Portugal dabei zu sein, war für den ehemaligen Kreisauswahlspieler aus Niebüll eine schöne aber gleichzeitig eine lehrreiche Erfahrung: „Wir wussten, dass wir technisch nicht mit den starken Teams mithalten könnten. Somit haben wir versucht mehr durch Taktik in die Spiele zu kommen.“  Die Niederlagen waren somit, trotz des starken Widerstandes des deutschen Teams, vorprogrammiert: Gegen den Paralympicssieger von 2012 aus Russland sowie das Team aus Schottland gab es eine 4-0 und eine 7-0 Niederlagen. Im hart  umkämpften dritten Spiel gegen Nordirland verlor die deutsche Auswahl knapp mit 1-0. „Nach diesen Spielen war es mental und körperlich sehr schwer für uns. Aber der Trainer und das Betreuerteam haben uns für die anstehenden zwei Spiele sehr gut motivieren können.“ Die Spiele um Platz 9.-11. wurden dann allesamt gewonnen: Gegen Finnland mit 5-1 und gegen Dänemark stand es am Ende ein 4-1 für das deutsche CP-Team. Somit hat man nicht nur die ersten zwei Siege eingefahren, sondern auch die ersten drei Punkte für das weltweite Rankingtabelle errungen.

Bis zum nächsten Trainingslehrgang der Nationalmannschaft CP im Oktober in Braunschweig hat Jonas genug Zeit um das ganze nochmal Revue passieren zu können: „Es war ein tolles, unvergessliches Erlebnis! Es hat mir einen wahnsinnigen körperlichen und psychischen Schub gegeben! Ich habe gesehen, dass ich noch mehr trainieren muss, um etwas zu erreichen.“ Auch in Bezug auf die Ziele in der Zukunft sagte er: „Ich wünsche mir, dass es mehr erkannt wird, welches Potential der Teamsport hat. Alle zusammen haben wir das Unmögliche möglich gemacht: wir spielen für Deutschland auch wenn einige von uns keine Fußballer sind. Wenn alle in den Fußballvereinen spielen würden, dann würde es für eine gute Platzierung ausreichen.“ Und dieses Ziel möchte Jonas auch in Schleswig-Holstein erreichen. Als Mitglied des 1. Kieler Behindertensportvereins will er im Herbst eine Fußball-AG gründen, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Fußball spielen können. Und vielleicht werden sich dadurch auch neue Mitspieler für den CP-Fußball finden.

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