Schiedsrichter arbeiten im Hintergrund weiter
Schleswig-Holstein Fußballverbung

Schiedsrichter arbeiten im Hintergrund weiter

Auch für die Unparteiischen im Land bedeutet die COVID-19-Pandemie, dass der Fußball in den Hintergrund gerückt ist. Das bedeutet aber nicht, dass Fußball gar keine Rolle mehr spielt. „Die Schiedsrichter arbeiten viel im Hintergrund“, sagt Norbert Richter, Vorsitzender des SHFV-Schiedsrichterausschusses. Aber wie wird die Saison bei den Referees gewertet, gibt es Auf- und Absteiger, können Prüfungen abgenommen werden? Im Gespräch mit Öffentlichkeitsmitarbeiter Dajinder D. Pabla beantwortet der Schiri-Chef die wichtigsten Fragen.

Wie wirkt sich die Corona-Situation allgemein auf die Schiedsrichter im SHFV aus?
Genauso wie für die Spieler, Trainer und Zuschauer. Es fehlt etwas. Am Wochenende loszufahren, mit den Freunden aus der Schiedsrichterei Spiele zu leiten und über die wichtigsten Szenen zu diskutieren, das fehlt.

Was machen die Schiedsrichter jetzt? Gibt es Verpflichtungen für sie?
Unser Lehrstab um Michael Mond stellt den Schiedsrichtern in regelmäßigen Abständen online Material zur Verfügung. Videos, Präsentationen und Regelteste können so auf freiwilliger Basis durchgearbeitet werden. Wir sehen von Verpflichtungen ab, da viele durch die besondere Situation derzeit andere Lebensschwerpunkte haben, sei es die Familie oder der Beruf. Da rückt der Fußball erst mal in den Hintergrund.

Aber die Angebote werden angenommen?
Sogar sehr gut. Die Schiedsrichter sind sehr diszipliniert und trainieren von sich aus. Es gibt Gruppen, die sich digital zum Lernen treffen oder gemeinsam Sport machen. Es gibt auch die ersten Kreise, die Online-Lehrabende anbieten oder andere Fördermaßnahmen. Die Lehrstäbe sind da sehr kreativ und helfen sich gegenseitig.

Schiedsrichter stehen für Entscheidungen. Sind die Unparteiischen in die letzten Entscheidungen, die der SHFV bezüglich des Spielbetriebs treffen musste, auch involviert gewesen?
Als Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses bin ich nicht nur im Präsidium vertreten, sondern auch in der Arbeitsgruppe Spielbetrieb. Somit war ich in alle Prozesse eingebunden und konnte mitentscheiden. Allerdings spielte meine Funktion keine Rolle. Es galt, für den Fußball in Schleswig-Holstein gute Lösungen zu finden. Und dank des konstruktiven Miteinanders haben wir das aus meiner Sicht auch geschafft.

Zurück zum Schiedsrichterwesen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Verband und Kreisen?
Da die Kommunikation grundsätzlich gut ist, konnten wir daran anknüpfen. Die Verantwortlichen der Kreise wurden stets auf dem Laufenden gehalten. Zudem gab es einige Einzelgespräche und eine Videokonferenz mit allen Vertretern. Das hat reibungslos funktioniert.

Für die Mannschaften stehen die Entscheidungen. Es gibt viele Auf- aber keine Absteiger. Wie sieht das bei den Schiedsrichtern aus, die ja ebenfalls auf- und absteigen können – konnten auf Basis einer halben Saison Entscheidungen gefällt werden?
Ja, weil wir bei den Schiedsrichtern nicht von Spiel zu Spiel schauen müssen, sondern sie über einen längeren Zeitraum beobachten und begleiten. Wir kennen die Potentiale der Referees. Zudem wurden in der Hinrunde Beobachtungen und Stützpunkte durchgeführt, auf deren Basis wir Kaderveränderungen vornehmen können. Allerdings werden wir uns der Entscheidung des Präsidiums anschließen und auch im Schiedsrichterbereich auf Absteiger verzichten.

Wie sieht es mit den Leistungsprüfungen aus?
Die angesetzten Veranstaltungen werden im Juni nicht stattfinden. Allerdings werden wir den regeltechnischen Prüfungsteil online durchführen. Alles andere werden wir zu gegebener Zeit entscheiden und den Schiedsrichtern natürlich rechtzeitig mitteilen.

Kann das Schiedsrichterwesen aus der Krise lernen oder vielleicht sogar gestärkt aus ihr hervorgehen?
Ich glaube, im Bereich der Lehrarbeit und Kommunikation haben wir durch digitale Experimente Lösungen gefunden, die auch nach der Corona-Phase sinnvoll sein werden. Wir werden keine Präsenzveranstaltungen ersetzen, aber sicherlich neue Angebote und Wege schaffen. Das wird ein Vorteil sein. Des Weiteren arbeitet das Team vom Schiedsrichterpraktikum derzeit mit der Fachhochschule Kiel an mehreren Projekten. Da wird die Zeit gut genutzt. Ich bin mir sicher, dass mittelfristig der gesamte SHFV davon profitieren wird.

Gibt es noch andere Dinge, die in der Krise entstanden sind und nach ihr irgendwas verbessern können?
Die derzeitige Situation schweißt zusammen. Es herrscht ein besonderes Miteinander, welches wir uns für die Zukunft bewahren sollten. Alle haben einen Schritt aufeinander zu gemacht. Das hat aber nichts mit der Schiedsrichterei allein zu tun, sondern betrifft den SHFV insgesamt.

Besteht die Gefahr, dass etwas durch die Krise kaputt geht?
Es besteht die Gefahr, dass wir vereinzelt Aktive und Funktionäre verlieren, weil sie ein Alternativleben und Alternativfreuden für sich entdeckt haben. Wir wollen dem entgegenwirken und sie dazu motivieren, dem Fußball erhalten zu bleiben. Ich hoffe, das gelingt uns bei den meisten.

Welchen Appell würdet ihr als Verbandsspitze an die Schiedsrichter im SHFV und vor allem auch an die in den Kreisen richten?
Um keine Schiedsrichter zu verlieren, müssen die Führungskräfte präsent sein. Dazu zähle ich mich und meinen Ausschuss, aber auch die Verantwortlichen in den Kreisen. Gerade auf Kreisebene werden die Schiedsrichter gebraucht. Hier müssen wir alles daran setzen, die Männer und Frauen, Jungs und Mädchen zu halten. Das wird besonders in den Sommermonaten von Bedeutung sein, wenn einige vom Fußball wegdriften. Trotzdem gibt es immer Wichtigeres als Fußball. Und das ist mein Appell an die Jungen. Sportlicher Ehrgeiz ist gut, sollte aber nicht Überhand nehmen. Ein gesundes Gleichgewicht ist wichtig und macht langfristig glücklicher.

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