Schleswig-Holstein Fußballverbung

"Referee Academy - ein Erfolgsmodell aus der Schweiz?

Der diesjährige Osterlehrgang, der jedes Jahr vom Jugendleistungskader der Schiedsrichter des Berliner Fußballverbandes ausgerichtet wird, fand mit Schiedsrichtern aus verschiedenen Fußballnationen statt. In einem Vortrag stellten zwei Schweizer Schiedsrichter den Aufbau des Schiedsrichterwesens in ihrem Heimatland vor. Zur Schiedsrichterförderung wurde dort die sogenannte „Referee Academy“ ins Leben gerufen. In diesen Leistungskader werden Schiedsrichter berufen, die starkes Entwicklungspotenzial zeigen und dort speziell für den Einsatz in höheren Ligen geschult werden sollen.

Insgesamt kann ein Schiedsrichter, der ein Teil des Leistungskaders ist, über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert werden. Allerdings werden auch jedes Jahr Schiedsrichter aussortiert. Die Folgen für die aussortierten Schiedsrichter sind fatal. Sie werden nie wieder die Chance haben in höhere Ligen zu kommen. Für sie wird lediglich noch ein Einsatz in ihren Regionen (vergleichbar mit unseren Fußballkreisen) möglich sein. Allerdings stehen für Schiedsrichter, die am Ende der drei Jahre noch ein Teil des Leistungskaders sind, die Chancen sehr gut, den Sprung bis ganz nach oben zu schaffen. „All or nothing“ beschreibt das Prinzip der „Referee Academy“ wohl ziemlich treffend. „Der Druck ist natürlich da, aber es sollen ja nur die besten nach oben kommen“, sagte der Schweizer Schiedsrichter Logan Berchier, welcher sich momentan in der zweiten Saison als Mitglied der Referee Academy befindet. Sicherlich ist man als Schiedsrichter in Deutschland auch einem Druck ausgesetzt, denn die Luft nach oben wird auch hier immer dünner.

In Schleswig-Holstein werden die Schiedsrichter in drei sogenannte Leistungsklassen (LK's) eingeteilt. Schiedsrichter der LK3 leiten Spiele in der Verbandsliga, Schiedsrichter der LK2 haben die Berechtigung zur Spielleitung in der Landesliga und im Oberhaus des Fußballs in Schleswig-Holstein werden Schiedsrichter der höchsten Leistungsklasse, der LK1, angesetzt. Die Anzahl der Schiedsrichter in der LK1 ist am geringsten und der Sprung dorthin folglich nicht leicht. Allerdings hat man für die Aufstiege in die nächste Leistungsklasse kein vorgegebenes Zeitlimit. Jedes Jahr wird durch Beobachtungen der Spielleitungen und halbjährlich stattfindenden Stützpunkten, bei denen Lauf- und Regeltests anstehen, ein Ranking erstellt. Die leistungsstärksten Schiedsrichter werden dann mit einem Aufstieg in die nächsthöhere Leistungsklasse belohnt. Manchmal kann es sein, dass Schiedsrichter länger in einer Liga verweilen, weil sie den Aufstieg nicht sofort schaffen. Und oftmals sorgt dann eben genau das für eine positive Entwicklung des Schiedsrichters.

Es mag stimmen, was Logan Berchier gesagt hat. Es sollen nur die besten den Sprung ins Oberhaus des Fußballs schaffen. Aber warum sollte man dafür nur drei Jahre Zeit haben? Die Schulung der Schiedsrichter kann in der „Referee Academy“ natürlich gezielter und effizienter stattfinden und es wird klar, welcher Schiedsrichter einem solchen Leistungsdruck gewachsen ist und welcher eben nicht. Im Endeffekt wird aber auch die Chance für eine später einsetzende Entwicklung zunichte gemacht, weshalb die „Referee Academy“ auch ihre Schattenseiten hat.      

Jasper Albrecht, Landesliga-Schiedsrichter   

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