Kunkel: „Ich konnte die Atmosphäre genießen“
Schleswig-Holstein Fußballverbung

Kunkel: „Ich konnte die Atmosphäre genießen“

Den 1. Mai 2019 wird Susann Kunkel so schnell nicht vergessen. Am Maifeiertag hatte die Schiedsrichterin vom SV Eichede den bedeutendsten Einsatz ihrer bisherigen Schiedsrichterlaufbahn: Zusammen mit ihren Assistentinnen Sylvia Peters (TSV Siems) und Marina Wozniak (SV Sodingen) sowie Mirka Derlin (TSV Dahme) als Vierte Offizielle leitete die 35-Jährige das DFB-Pokal-Finale der Frauen zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Freiburg im Kölner Rheinenergiestadion. Wir sprachen mit unserer Top-Schiedsrichterin über das Erlebnis.

Hallo Susann, seit dem Finale sind zwei Tage vergangen – hast du das Spiel und das Erlebnis schon verarbeitet?
Ja, mittlerweile hatte ich ja ein bisschen Zeit runterzukommen. Körperlich spüre ich die Nachwirkungen noch ein wenig, vor allem in den Beinen. Das hängt sicher mit der doch etwas größeren Anspannung zusammen – es war ja kein ganz alltägliches Spiel für mich, da ist man doch etwas nervöser als vor anderen Partien.

Das Fachmagazin Kicker attestiert dir nach dem 1:0 der Wolfsburgerinnen über den SC Freiburg eine „souveräne Leitung“ und bewertet deine Leistung mit der Note „2“. Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung und dem Spiel insgesamt?
Es war ein sehr angenehmes Spiel, das von beiden Seiten absolut fair geführt wurde. Ich musste unterdurchschnittlich wenige Foulspiele ahnden. Zwei Mannschaften kämpfen um einen Pokal und bleiben dabei total fair – so wünscht man sich das ja auch. Zumal ich als Schiedsrichterin so auch noch mehr die Atmosphäre genießen konnte.

Im Vergleich zu einem Spiel in der Frauen-Bundesliga, wo du ja auch Spiele pfeifst, war das Drumherum sicher ein, zwei Nummern größer. Wie hast du die Atmosphäre wahrgenommen?
Ich kannte das Stadion ja schon von meinem Einsatz als Schiedsrichterassistentin im Pokalfinale von 2016, aber die Kulisse von 17.048 Zuschauern war natürlich schon einzigartig. Und so wie es auf dem Platz fair blieb, so herrschte auch auf den Zuschauerrängen eine total positive Stimmung. Es war ein sehr durchmischtes Publikum: neben den Fans der beiden Mannschaften sind auch viele Kölner und andere Fußballinteressierte vorbeigekommen und haben sich das Spiel angeschaut.

Welche Besonderheiten gab es rund um das DFB-Pokal-Finale denn noch, die das Spiel von den Begegnungen unterscheiden, die du sonst pfeifst?
Neben einigen Anfragen seitens der Medien habe ich vor und nach dem Spiel unheimlich viele Nachrichten bekommen. Darunter waren auch viele nette Worte von Schiedsrichterkollegen, zu denen ich teilweise gar keinen regelmäßigen Kontakt mehr habe – das hat mich sehr gefreut. Ein weiterer Unterschied ist, dass wir nach dem Spiel noch eine Übernachtung in Köln hatten, normalerweise reisen wir noch am Spieltag ab. So sind wir mit unserem Team abends noch essen gegangen und haben den Tag schön ausklingen lassen. Besonders sind natürlich auch die feierlichen Programmpunkte, etwa die Einlaufzeremonie oder die Siegerehrung. Eine Begegnung mit dem Bundespräsidenten hat man ja auch nicht alle Tage.

Hast du jetzt eine besondere Motivation für die Zukunft aus diesem Spiel gezogen und dir schon neue Ziele für die nächste Saison gesetzt?
Dass ich in naher Zukunft noch einmal das Pokalfinale pfeifen darf, ist wohl eher unwahrscheinlich, höchstens als Vierte Offizielle könnte ich vielleicht noch einmal eingesetzt werden. Aber nach so einem Erlebnis kann und sollte man auch einfach zufrieden sein. Ich freue mich darüber, dass sich meine Laufbahn in den letzten Jahren so entwickelt hat, dass ich jetzt dieses Spiel pfeifen durfte.

Und wie geht’s jetzt für dich weiter?
Ich bin gerade auf dem Weg zur Norddeutschen Meisterschaft der U14-Juniorinnen in Malente. Darauf freue ich mich, weil es nach dem Trubel der letzten Tage auch dabei hilft, zur Normalität zurückzufinden.

Zurück