Ein Tag auf der Seite der Unparteiischen
Schleswig-Holstein Fußballverbung

Ein Tag auf der Seite der Unparteiischen

Für mich begann alles mit einer kleinen Recherche. Für NDR 1 Welle Nord wollte ich ein Telefoninterview mit Susann Kunkel (Schiedsrichterin des DFB-Pokal-Finals der Frauen 2019; Anm. d. Red.) vereinbaren. Schnell bekam ich den Kontakt  - und noch mehr. Zum Beispiel Informationen über ein mögliches Schiedsrichterpraktikum. Mein Interesse war geweckt.

Normalerweise berichte ich an den Wochenenden von Handball- oder Fußballspielen in Schleswig-Holstein. Dann stehen das Ergebnis, die Partie, die Spieler oder auch ab und zu die Verantwortlichen im Fokus. Doch an diesem Sonntag sollte das anders sein. Bei einem Oberligaspiel verfolgte ich das Geschehen nicht von der Pressetribüne aus. Denn dieses Mal war ich als Schiedsrichterpraktikant dabei. Ich begleitete den Unparteiischen Dajinder Pabla und seine beiden Assistenten Jan-Christian Meyer und Niklas Leiding.

Schon vor der Partie erfahre ich viel Praktisches: wie wird ein Spiel vorbereitet, was sind die Pflichten der Unparteiischen, bevor es losgeht – und was überhaupt alles neben dem eigentlichen Pfeifen zu erledigen ist. Ich war beeindruckt, mehr als acht Stunden unterwegs, für eine geringe Aufwandsentschädigung. Das Schiedsrichtersein, also der Wille, ein Spiel gerecht zu führen, scheint auch ein Hobby zu sein, wie es die ausüben, die sich auf dem Platz gegenüberstehen.

Während der Partie kann ich alles mithören, was das Schiedsrichterteam bespricht. Ich bin, nach Absprache mit den Verantwortlichen der spielenden Teams, Teil der Funkkette. Die Technik läuft einwandfrei. Ich bin gut informiert und kann nachvollziehen, wie das Team zusammenarbeitet. Die Kommunikation erfolgt meist durch kurze, klare Absprachen. Für mich ein sehr interessanter Einblick, ich habe nach wenigen Minuten schon mehr Verständnis dafür, dass Schiedsrichter auch Fehler machen können. Zu dritt ein Feld mit 22 Spielern zu überwachen ist nicht leicht. Die Referees machen über 90 Minuten aus meiner Sicht einen guten Job. Das attestiert ihnen später auch der Trainer der unterlegenen Mannschaft. Ein Kompliment, das den Unparteiischen sicherlich wichtig ist.

Denn „Danke“ hört man als Unparteiischer sicherlich nicht so häufig wie Gemecker über die gefallenen Entscheidungen. Schiedsrichterin Susann Kunkel warb im Interview für Verständnis auf beiden Seiten: „Man muss Fehlentscheidungen auch akzeptieren können. Das gehört zum Fußball dazu, so wie ich einen Fehlpass spiele, kann auch ein Schiedsrichter Fehler machen.“ Dafür habe ich jetzt nach dem Praktikumstag mehr Verständnis. Auch wenn die meisten Sportjournalisten und Trainer der Meinung sind alles zu wissen – ein Tag in der Haut des anderen kann definitiv den eigenen Horizont erweitern, Brücken bauen und Verständnis schaffen.

Samir Chawki
NDR Reporter

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