Digitales Schiedsrichterpraktikum: erfolgreiche Premiere
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Digitales Schiedsrichterpraktikum: erfolgreiche Premiere

Hallo, Hallo? Noch zwei, drei Klicks waren nötig, bis sich alle Anwesenden nicht nur gesehen, sondern auch gut verstanden haben. Die Corona-Situation zwingt uns zu digitalen Lösungen und bietet gleichzeitig Chancen, die in der Vergangenheit vielerorts noch gar nicht bedacht wurden. Am 28. November fand das „1. Digitale Schiedsrichterpraktikum für Frauen und Mädchen im SHFV“ statt. Das Initiatoren-Team sagt: „Wir wollten nicht nur das Beste aus der Corona-Situation machen, sondern etwas probieren, von dem wir glauben, dass es in Zukunft ein Vehikel sein kann, mehr Menschen für das Schiedsrichteramt zu begeistern.“

Es gibt drei herausragende Vorteile des digitalen Wegs:
1. Diese Veranstaltungen lassen sich viel schneller und auch spontan organisieren. In diesem Fall waren es gerade einmal drei bis vier Wochen.
2. Sie sind ressourcenschonend. Anders wäre es nicht möglich, Menschen aus Hamburg, Lübeck, Kiel, Kropp und Risum-Lindholm so günstig miteinander zu verbinden.
3. Es wird immer schwieriger, die Zielgruppe zu erreichen. Auf diese Weise bringen wir das Thema Schiedsrichter direkt zu ihnen. Die Bereitschaft, sich für eine Stunde „reinzuklicken“, ist bei vielen höher, als 40 bis 50 Kilometer Fahrtweg auf sich zu nehmen. Und trotzdem soll es in Zukunft auch wieder Präsenzveranstaltungen geben, bei denen dann noch mehr die Praxis im Fokus steht.

Es war eine kleine Runde am Samstagmorgen, die aber sofort zueinander fand. Die jüngste Teilnehmerin war gerade einmal 12 Jahre alt, die älteste 38. Die meisten spielen derzeit noch aktiv Fußball, überlegen aber das zweite sportliche Standbein im Schiedsrichterbereich aufzubauen. Dass das altersunabhängig ist, erläuterte SHFV-Schiedsrichterin Susann Kunkel anhand ihrer Anfänge: „Ich war selbst Spielerin und bin durch eine Verletzung zur Schiedsrichterei gekommen. Ich glaube, ich war 26 Jahre alt.“ Ihre Karriere nahm einen steilen Verlauf. Noch als Anwärterin ist sie in der 2. Frauen-Bundesliga zum Einsatz gekommen. Heute pfeift sie in der 1. Frauen-Bundesliga und bei den Herren in der Regionalliga. „So schnell kann es gehen, aber es muss nicht“, betonte Kunkel auch. „Es muss niemand die große Karriere anstreben. Wenn ihr Lust habt im Kreisgebiet zu pfeifen und wenn es nur temporär ist, dann ist es genauso in Ordnung, als wenn ihr in die Bundesliga wollt.“ Es gibt keinen Druck, aber große Chancen, gerade im Frauenbereich. Der Grund liegt auf der Hand: es gibt noch nicht so viele Schiedsrichterinnen, was die Initiatoren im Norden gerne verändern wollen.

Franziska Wildfeuer, die zweite SHFV-Spitzenschiedsrichterin in der Videokonferenz, berichtete, dass sie in den ersten Jahren ausschließlich Junioren gepfiffen hat. „Ich glaube, mein erstes Frauenspiel war in der 2. Bundesliga“, sagte sie. Etwas kurios, aber ein Zeichen dafür, dass Schiedsrichterinnen in den männlichen Spielklassen längst etabliert sind. „Die Akzeptanz ist vorhanden, mehr sogar. Ich habe das Gefühl, dass ich als Frau genauso respektiert werde.“

Wie wird man Schiedsrichterin, welche Perspektiven gibt es und was macht es so besonders? Viele Fragen wurden beantwortet und wertvolle Einblicke gewährt. „Das war ganz interessant, ich werde es weiter verfolgen“, sagt Pernille, die in ihrem Verein eine E-Jugend trainiert und ihre Aufgabe auch darin sieht, den Kindern die Regeln richtig beizubringen. Lea spielt derzeit noch selbst Fußball. Sie sagt: „Ich kann mir das nach dieser Veranstaltung besser vorstellen zu pfeifen und will gerne die Angebote des Schiedsrichterpraktikums wahrnehmen.“ Für Neugierige ist das Schiedsrichterpraktikum die beste Möglichkeit, um zu prüfen, ob das Amt wirklich in Frage kommt. Für Frau, Mann, Junge und Ältere, ganz ohne Prüfung und natürlich kostenlos.

Text: Dajinder Daniel Pabla

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