Delegationsreise nach Israel
Schleswig-Holstein Fußballverbung

Delegationsreise nach Israel

Vom 21.10.2017 bis zum 28.10.2017 waren insgesamt zehn Sportfunktionäre zu einem „Internationalen Sportaustausch“ zu Gast in Israel, eingeladen hatte die dortige Sportorganisation „Hapoel“. Unter der Leitung des Vorsitzenden der Sportjugend Schleswig-Holstein, Matthias Hansen, reiste die Gruppe von Hamburg über Frankfurt nach Tel Aviv ins „herbstliche“ Israel, wo 28 Grad Luft- und 23 Grad Wassertemperatur am Mittelmeer herrschten. Neben mir, Peter Feuerschütz, als Fußballvertreter des SHFV, waren die Sportarten Handball, Tischtennis, Tennis, Tanzen, Reiten, und Leichtathletik durch kompetente Teilnehmer vertreten. Die Gruppe kannte sich bereits aus Vortreffen, so fühlte sich jeder gleich gut aufgehoben – von „Abwegen“ konnte somit überhaupt keine Rede sein – der Kontakt zu den Sportlern und Funktionären anderer Sparten bereichert zudem den eigenen Erfahrungsschatz!

Die erste Nacht war warm und laut – überall brummten Klimaanlagen, die für etwas Frische sorgen sollten. Am Sonntag um 9 Uhr war Abfahrt zu unserem ersten Termin vor Ort – die Fahrt ging zum Wingate-Institut, dem nationalen Ausbildungs- und Leistungszentrum Israels für Sport.
Die Sportbehörde des Sport- und Kultusministeriums unterstützt die Entwicklung von Sportprogrammen, fördert die Ausbildung von Lehrern und Trainern am Wingate-Institut für Sporterziehung und koordiniert die Aktivitäten verschiedener Sportverbände und -organisationen. Aus dem Erlös der staatlichen Lotterie werden ein großer Teil der sportlichen Aktivitäten und Sporteinrichtungen sowie die jährlichen Preise für hervorragende sportliche Leistungen finanziert.
Dort angekommen, galt es erst einmal, die Sicherheitsanlagen zu überwinden – ist auf dem großen Institutsgelände doch auch eine militärische Einheit stationiert. Überhaupt muss man sich an den Anblick gewöhnen, dass in Israel die aktiven Soldaten ihre persönliche Waffe ständig bei sich tragen.

Unsere einheimischen „Guides“ Hanna und Schuki führten uns zuerst zu den bekanntesten Größen des hiesigen Sports, zur Judo-Nationalmannschaft, die sich gerade auf den in Katar stattfindenden World-Cup vorbereitete. Olympische Medaillengewinner und internationale Stars standen uns geduldig Rede und Antwort – beeindruckend, diesen Sportlern beim Training zusehen zu können und mit ihnen Gespräche zu führen. Wir besuchten danach die Schwimmhalle, übrigens die einzige im Lande mit 50-Meter-Bahnen, die internationalen Standard aufweist. Am Beckenrand bekamen wir vom nationalen Verantwortlichen einen Vortrag über den Stand der Dinge im Schwimmen zu hören, führten anschließend ein Gespräch mit dem aktuellen Nationaltrainer der Israelis, einem Schweizer, der uns praktischerweise auf Deutsch interessante Details über die Situation vor Ort schilderte. Wir wechselten anschließend über zum Volleyball-Nationalkader der Juniorinnen und Frauen, auch dort stand uns der Nationaltrainer, ein bekannter Italiener aus der internationalen Volleyball-Szene, Rede und Antwort – die meisten Gespräche wurden auf Englisch geführt, die Verständigung verlief wirklich gut.

Ähnlich erging es uns auf der nächsten Station: beim Tischtennis saßen wir am Tischrand und konnten hautnah beobachten, was die Sportler hier mit dem kleinen Ball so anstellten – auch das sehr beeindruckend. Das Wingate-Institut verfügt neben diversen Sporteinrichtungen über ein modern ausgestattetes Medical-Center, das man uns ebenfalls stolz präsentierte.
Unser Fazit: „Wingate was a win“ – Wingate war eine Reise wert; sehr interessant zu erfahren, wie weit die Israelis sind, welche Probleme sie haben, welche Ziele usw.

Am gleichen Abend besuchten wir ein Erstligaspiel der Basketballliga in Tel Aviv – ein hitziges Lokalderby, das die Gäste aus Herzeliya knapp für sich entschieden. Es war spannend bis zum letzten Korb, zudem ohrenbetäubend laut, denn die Gäste hatten einen riesigen und extrem lautstarken Anhang mit coolen Fans mitgebracht – das Spiel war ein echtes Erlebnis!

Per Bus ging es am Folgetag zum Gebäudekomplex des Nationalen Olympischen Komitees Israels, auch in Tel Aviv beheimatet und knapp 20 Minuten vom Hotel entfernt. In einem imposanten Gebäude wurden wir freundlich begrüßt, bekamen als Erstes eine Multimedia-Show namens „Olympic Experience“ präsentiert – wir waren schwer beeindruckt! Nach einem interessanten und launigen Vortrag über den Stellenwert des Sports und auch Olympias in Israel durch einen der hiesigen Ressortleiter haben wir im gleichen Hause unterschiedliche Gruppen von Spitzensportlern beim Training besucht und beobachtet, erhielten überall freundliche Kurzvorträge und konnten die Sportler begrüßen, so die Turner, die Mädchen der rhythmischen Sportgymnastik, und schließlich auch die Handballer – im Gegensatz zu Deutschland hat der Handball in Israel allerdings noch keinen hohen Stellenwert. Fußball und Basketball sind die Lieblingssportarten im Lande.

Nachmittags besuchten wir den herrlich gelegenen ASA Club in Tel Aviv, ein Universitäts-Sportclub mit Riesenanlage, Schwimmbädern, Fußballfeldern (natürlich Kunstrasen) sowie einem großen Fitnessbereich – wir waren erneut sehr beeindruckt!

Auch das touristische Programm kam nicht zu kurz: Einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem schloss sich ein langer Spaziergang durch die Altstadt Jerusalems an, mit einem Aufenthalt an der weltberühmten Klagemauer. Ein Tagestrip ans Tote Meer stand auch auf der Liste, doch haben wir dort auch ein intensives und interessantes Gespräch mit der Führungsspitze der Sportorganisation „Hapoel“ geführt. Der Vorsitzende Joram Arnstein, selbst früher ein bekannter israelischer Fußballer, hat sich sehr über die Grüße und Gastgeschenke aus Deutschland, vom SHFV und DFB, gefreut und würde einen künftigen Jugendaustausch deutscher und israelischer Fußballer mit allen Kräften unterstützen.

In der zweiten Wochenhälfte standen Fahrten in den Norden Israels an, nach Haifa, an den See Genezareth, Tiberias sowie nach Nazareth. In der Nähe von Haifa, in Ibblin, waren wir zum Besuch einer Hapoel-Einrichtung für Basketball und Fußball eingeladen. Wieder wurden wir sehr gastfreundlich begrüßt und ausführlich informiert. Kaffee, Wasser und Gebäck gab es fast auf jeder Station für uns. Unsere Gastgeber gaben sich stets sich viel Mühe und waren uns gegenüber sehr offen und freimütig.

Allgemein bewundern alle hiesigen Sportverantwortlichen Deutschland um seine Möglichkeiten und seine Erfolge in vielen Sportarten, und man würde uns nur zu gern nacheifern. Israel hat jedoch zahlreiche spezielle Probleme, und der Sport muss hier deshalb oft genug hinten anstehen. So muss jeder junge Mann für drei Jahre Militärdienst ableisten, junge Frauen für zwei Jahre, Ausnahmen für Spitzensportler gibt es kaum, und so gut wie keine „Sportsoldaten“, wie man sie hierzulande in manchen Sportarten kennt. Zudem ist die Auswahl potenzieller Sportler bei acht Millionen Einwohnern, von denen gut eine Million streng gläubige Juden sind und etwa genauso viele arabischer Herkunft, die sich nicht für Sport interessieren, lange nicht so groß wie in vergleichbaren Ländern.

Am zweiten Sonnabend ging es ganz früh morgens wieder zurück mit dem Flugzeug von Tel Aviv über Frankfurt nach Hamburg, von dort schließlich die letzte Etappe ins eigene Zuhause.
Alle Teilnehmer der Reise waren sich einig: Israel ist ein liebenswertes und interessantes Land, und immer eine Reise wert! Für den Sommer 2018 ist ein Gegenbesuch der Israelis in Schleswig-Holstein geplant. Wir freuen uns darauf, ihnen unser schönes Heimatland vorstellen zu dürfen!

Peter Feuerschütz

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