Bolzplatzkind des Monats: Ahmet Arslan
Schleswig-Holstein Fußballverbung

Bolzplatzkind des Monats: Ahmet Arslan

Es ist Mittwochabend, der 13. Januar 2021. Ahmet Arslan (26) sitzt in der Hocke auf dem Rasen des Holstein-Stadions. Ganz allein. Starrt ins Leere. Und denkt einfach an nichts. Soeben haben er und seine Jungs den FC Bayern aus dem DFB-Pokal geschossen. Auch er traf im Elfmeterschießen. Wir schauten in einem Interview etwas tiefer in die Seele vom „Bolzplatzkind des Monats".

Ahmet, du bist auf den Bolzplätzen in Lübeck groß geworden. Welche waren das genau, wie sahen sie aus und wie viel Zeit hast du dort verbracht?
Ich bin in einer Siedlung in Lübeck-Karlshof groß geworden. Dort gab es einen Sandplatz, auf dem wir viel gebolzt haben. Wenn wir dann Lust hatten, auf Tore mit Netzen zu spielen, haben wir auf dem Rasenplatz von Lübeck 1876 gekickt.

Welche Werte hast du auf dem Bolzplatz entwickelt, die deine Persönlichkeit heute noch prägen?
Zuallererst natürlich den Spaß am Fußball. Das ist das Wichtigste. Zudem habe ich auf dem Bolzplatz viele Freunde kennengelernt. Ohne Fußball wäre das sicher nicht derart schnell gegangen. Dort hat man auch gelernt, Respekt gegenüber anderen Menschen zu haben, egal, wer sie sind oder woher sie kommen.

Wann wurde es ernst bei dir mit dem Leistungsfußball, also zu welchem Zeitpunkt hast du realisiert, dass es jetzt in den bezahlten Fußball gehen könnte?
Wenn man in der C- und B-Jugend schon relativ hoch spielt, fängt man natürlich an, sich Hoffnungen zu machen. Wirklich konkret wurde es allerdings erst, als ich im Jahr 2014 zum Hamburger SV gewechselt bin. Ich habe erstmals mit dem Fußball genügend Geld verdient, um davon leben zu können und hatte meine erste eigene Wohnung. Als es dann so gut lief, dass ich einen Profivertrag erhalten habe, dachte ich, dass es jetzt wirklich klappen kann.

Wie empfandest du die Zeit beim Hamburger SV, wo du dein Bundesligadebüt unter Bruno Labbadia feiern durftest?
Es war eine sehr aufregende Zeit. Ich habe damals in der U23 des HSV gespielt und dann Spieler wie Rafael van der Vaart oder René Adler auf dem Trainingsplatz gesehen. Diese Namen kannte ich bis dato nur aus dem Fernsehen. Einige Wochen später durfte ich zum ersten Mal mit den Profis trainieren. Das sind natürlich Momente und Erfahrungen, die man gerne mitnimmt und die bleiben. Dass man dann im Kader stand, wenn der HSV in Stadien vor 50000 Zuschauern gespielt hat, hat sich wie eine Belohnung angefühlt, dass man sich jahrelang so angestrengt hat.

Du bist im Sommer von Lübeck nach Kiel gewechselt. Wer dich kennt, der weiß, dass du unbedingt noch mal die Chance nutzen wolltest, Zweite Liga zu spielen. Die Meinungen der VfB-Fans darüber waren sehr gespalten. Die meisten zeigten jedoch Verständnis. Wie sehr hat dich diese Situation beschäftigt?
Natürlich hat mich diese Situation beschäftigt, aber jetzt bin ich einfach froh, hier in Kiel zu sein. Es war eine große Chance, die sich mir hier geboten hat. In letzter Zeit läuft es immer besser für mich und mittlerweile erhalte ich aus allen Richtungen sehr viel positives Feedback.

Welche Phase in deiner Karriere war die schwerste?
Das Ende meiner Zeit in Osnabrück und auch die Reaktionen nach meinem Wechsel nach Kiel waren nicht leicht, aber all das hat mich reifen lassen. Ich gehe mittlerweile ganz anders mit Kritik um als noch vor einigen Jahren.

Wie holst du dich aus Krisen wieder raus, wer oder was motiviert dich?
Es ist ja klar, dass nicht immer alles gut läuft. Aber man reift an solchen Dingen als Persönlichkeit. Meine Religion hat mir diese Denkweise mitgegeben, da ich mich sehr am islamischen Glauben festhalte. Das gibt mir Halt. Und natürlich steht auch meine Familie immer hinter mir.

An was genau hast du gedacht, kurz nachdem du dein erstes Zweitliga-Tor für Holstein Kiel, ausgerechnet gegen deinen Ex-Klub Osnabrück, geschossen hast?
Viel Zeit zum Nachdenken blieb da nicht, weil es der Anschlusstreffer war und wir noch den Ausgleich machen wollten. Dass ich ausgerechnet gegen Osnabrück getroffen habe, ist eine Geschichte, die der Fußball schreibt. Natürlich war es schön zu treffen, aber wenn man sein erstes Tor in der zweiten Liga erzielt, ist es schöner, wenn man dann auch das Spiel gewinnt.

Mal ein bisschen träumen. Die KSV Holstein plant ein Benefizspiel. Präsident Steffen Schneekloth entscheidet, dass du den Gegner aussuchen darfst. Welchen wählst du?
Ich würde Real Madrid wählen, aber dann als Pflichtspiel mit Hin- und Rückspiel. Hier im Holstein-Stadion wäre das mit unseren Fans im Rücken eine tolle Sache und in Madrid wäre es als Spieler auf dem Feld etwas ganz Besonderes, denn jeder möchte doch einmal im Estadio Santiago Bernabéu spielen.

Wie stehst du zum Amateurfußball in Schleswig-Holstein, schaust du da mal irgendwo zu und gönnst dir Bratwurst und Bierchen?
Bratwurst und Bierchen fallen für mich persönlich weg, aber an sich bin ich gerne auf den Plätzen der Region unterwegs. Mein bester Kumpel spielt in der Landesliga. Da ist alles dabei: Zusammen gewinnen, Spaß in der Kabine – und kicken können die Jungs auch.

Wenn du ein Megaphon bekommst, die ganze Welt hört dich und du hast genau einen Satz. Wie lautet er?
Da gäbe es nicht den einen Satz. Ich würde die Menschen eher dazu auffordern, friedlich miteinander zusammenzuleben und ihren Mitmenschen Toleranz entgegenzubringen. In der aktuellen Phase gäbe es dann noch den Zusatz, sich an die bestehenden Corona-Regeln zu halten, um gemeinsam durch diese schwierige Zeit zu kommen.

Über das Label „Bolzplatzkind"

„Bolzplatzkind" ist ein junges Fashionlabel, das es sich zur Aufgabe macht, den Geist des Bolzplatzes in die weite Welt zu tragen. Du warst früher jeden Tag mit Deinen Kumpels auf dem Bolzplatz? Oder auch mal alleine, um Tricks zu üben? Was das bedeutet, versteht nur derjenige, der es selbst erlebt hat. Zeig der Welt, dass Du ein Bolzplatzkind bist. Mit der Fashionkollektion von „Bolzplatzkind".

Gründer Henoch Förster ist im beschaulichen Kasseburg (Herzogtum Lauenburg) aufgewachsen und ging dort sehr früh mit seinen beiden älteren Brüdern auf den Bolzplatz. Der Fußball steht für den heutigen Hamburger nach wie vor an erster Stelle.

„Beim Fußball kann man abschalten, Probleme vergessen, Stress abbauen. Allein mal ein paar Stunden ohne Smartphone sind in der heutigen Zeit extrem viel wert. Wenn Du auf dem Bolzplatz stehst, bist du wieder dieser kleine Junge, der den Moment genießt und auf das Tor schießt, bis die Sonne untergeht", so der Gründer.

Das Label bietet Klamotten, Caps und Accessoires für Frauen, Männer und Kinder an. Hier geht's zum Shop: https://www.bolzplatzkind.com/

(Quelle: Bolzplatzkind)

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