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Kicken wie Charles Takyi

Lübeck - Wintereinbruch in der Hansestadt.  Klirrende Kälte von deutlich unter null Grad Celsius laden nicht gerade zu einem netten Abendspaziergang ein.  Doch während es sich die meisten Lübecker daheim auf dem Sofa bequem gemacht haben, finden sich 29 Mädchen der Jahrgänge 1994 bis 1999 auf dem neuen Kunstrasenplatz des SC Buntekuh ein.  Andreas Claasen, DFB- Stützpunkttrainer des Schleswig-Holsteinischen Fußball- Verbandes (SHFV) begrüßt seine Auswahlmädels, die bis auf eine vollzählig zum Training angetreten sind.  Am Rand des Spielfelds gefriert das Wasser in den Flaschen.  Nur vereinzelt schauen Eltern vorbei.  Ein Vater reibt sich die Hände, nimmt einen Zug von seiner Zigarette.  Es ist kein Abend für Frostbeutel.  Doch die Mädchen sind hartgesotten.  Viele tragen nur lange Trainingshosen und ein dünnes Trikot.  Während sich eine Spielerin bei Coach Claasen erkundigt, ob es noch Bälle gibt, üben sich die anderen jungen Fußballerinnen bereits im Balljonglieren.  "Technik steht in der Ausbildung ganz besonders bei den jungen Mädchen ganz oben.  Je älter sie werden, umso stärker nimmt die Taktikschulung zu", erklärt Claasen die Trainingsphilosophie. 

Insgesamt 130 Spielerinnen werden an den fünf Stützpunkten im Land speziell einmal pro Woche gefördert.  "Zusätzlich gibt es 14 Kreisauswahlen, wo die Jüngsten neun und acht Jahre alt sind", erläutert Landesmädchentrainer Dieter Bollow (49), der in engem Austausch mit seinen Stützpunkttrainern die Richtlinien der Förderung vorgibt. 30 000 Euro fließen dabei hierzulande in die Mädchen-Ausbildung.  Ein Anfang.  Die Arbeit trägt erste Früchte.  Mit Malin Hegeler (SG Trave 06) vom Stützpunkt in Wahlstedt und Gianna Nicoleit (Olympia Schwartau) aus Lübeck sind sogar zwei Spielerinnen zuletzt zur Nationalmannschaftssichtung nach Schöneck eingeladen worden.  Beide hoffen nun auf ihren ersten Länderspieleinsatz im neuen Jahr.  Vielleicht schon im April in Holland.  Nicoleit ist Spielmacherin.  Ihre Schnelligkeit und auch Passgenauigkeit sind ihre Stärken, ganz wie bei ihrem Vorbild  Charles   Takyi vom FC St.  Pauli.  Wenn der Ball ihren Fuß auf der Kunstfaser beim SC Buntekuh verlässt, zischt er präzise zur Mitspielerin.  Claasen erläutert: "Wir haben den Stützpunkt genau deshalb aus Zarpen hierher verlegt.  Der Kunstrasen hilft bei der Ausbildung ungemein. " Auch Gianna freut sich über den "Umzug".  "Dadurch können wir bei jedem Wetter trainieren.  Früher sind doch oft Einheiten wegen dem Matschrasen ausgefallen. "Neben Nicoleit hoffen auch die anderen 29 Talente über Berufungen von "ganz oben".  Eine, die es in naher Zukunft packen könnte, ist Linksfuß Louise Küstel (Jg. 1996), die wie ihre Teamkollegin Madeline Gieseler (U16) vom FFC Oldesloe den Schritt zur "Nati" schaffen könnte.  "Die hat einen tollen Schuss", lobt Bollow.  Für die talentierten Mädchen kommt die Frauen-WM 2011 in Deutschland zwar noch zu früh, doch Hoffnungen sind mit dem Großereignis dennoch verknüpft.  
"Wir sind auf einem guten Weg, doch in punkto Trainerausbildung als zentrales Ziel haben wir noch Luft", betont Bollow.  Insgesamt knapp 8000 Mädchen und Frauen jagen in gut 400 Mannschaften (2008 waren es 371) allein in Schleswig-Holstein dem Ball hinterher.  Bundesweit sind 635 000 Spielerinnen im Einsatz - macht zehn Prozent aller Fußballer.  
"Klasse Gianna", lobt Claasen.  Der ehemalige Vizeweltmeister mit der deutschen U20-Elf (unter Berti Vogts) und FC Bayern-Amateur (1986 bis 1989) war positiv überrascht, als er vor zwei Jahren das Mädchentraining übernahm.  "Das Niveau ist erstaunlich.  Die Mädchen sind vor allem konzentrierter als Jungs und technisch nahezu gleichwertig.  Das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben", erläutert der 42-Jährige, der davon ausgeht, dass der Mädchen-Boom noch ansteigt.

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