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Elpersbütteler Grundschul-Trio läuft mit Schwedinnen und Amerikanerinnen ins Wolfsburger Stadion

Die erste SMS kommt noch vor dem Anpfiff. Ja, die Kinder seien im Fernsehen bestens zu erkennen gewesen. Sie hätten sich hervorragend benommen, keines sei aus der Reihe gefallen oder habe in die Nationalhymne gehustet. Einer von sechs Millionen Zuschauern hat Daniela Waskow diese Nachricht geschickt. 23 468 Besucher wollten in Wolfsburg an Ort und Stelle verfolgen, wie Joris Waskow, Laura Kieseler und Marie-Claire Iversen mit dem Team der USA und elf lustigen Schwedinnen ins Stadion liefen.
Joris Waskow ist ein heller Kopf. In der Winterpause gewann er in einem Wettbewerb dieser Zeitung einen Sonderpreis. Bei der Verlosung war er nicht unter den Glücklichen, aber er hat ein paar nette Begründungen geliefert, warum Merle Blesin bei der Wahl zur schleswig-holsteinischen „Fußballerin des Jahres“ ganz vorn landen sollte: „Meine Lieblings-Lehrerin.“ Zuschriften mit dem Namen „Merle Blesin“ hat es Anfang des Jahreres viele gegeben. Die fröhliche Pädagogin ist treibende Kraft beim Schleswig-Holstein-Ligisten TuRa Meldorf.

Ein Hauch des ganz großen Fußballs wehte bereits Anfang der Saison durch die Domstadt. Die TuRanerinnen hatten sich als Finalist im Landespokal für die erste DFB-Hauptrunde qualifiziert. Mehr als 400 Zuschauer lockte die Partie gegen Werder Bremen am 8. August 2010 an, und wenn sie auch mit 0:2 verloren ging: ein Erlebnis war es. Merle Blesin ist an diesem Mittwoch ebenfalls in Wolfsburg. Mit ihren TuRa-Kolleginnen Lisa Blohm, Hanna Blesin, Marie Rödiger, Kim Ehlers und Wiebke Ramm hat sie sich auf den Weg gemacht.

Seit Freitag sind Ferien, doch hinter Merle Blesin liegen anderthalb aufregende Tage. Über den Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband wurde an Rudi Seebrandt, den langjährigen Meldorfer Mädchen- und Frauentrainer, die Frage gerichtet, ob er nicht Kinder wüsste, die geeignet wären, mit den Spielerinnen aus den Vereinigten Staaten und Schweden ins Wolfsburger Stadion einzulaufen.
Reiner Zufall war dieser Kontakt nicht. Seebrandt ist in der Szene bekannt, nicht nur in Dithmarschen und Schleswig-Holstein. Mit seinen Mannschaften ist er viel unterwegs.
Als ihn die Anfrage ereilt – es ist Dienstag, kaum mehr als 24 Stunden vor dem Spiel –, greift Rudi Seebrandt sofort zum Telefon. Er weiß, dass Merle Blesin noch nicht in Urlaub gefahren ist. Er weiß natürlich auch, dass die 29-Jährige als Referendarin in der Grundschule Barlt-Elpersbüttel-Windbergen arbeitet. Und er weiß, dass es dort fußballbegeisterte Kinder gibt.
Merle Blesin muss in ihrer Abgangsklasse des vierten Schuljahrs nicht lange suchen. Laura Kieseler, Marie-Claire Iversen und Joris Waskow trauen sich die Aufgabe zu. Sie sind aufgeregt und begeistert. Als in Daniela Waskow eine Fahrerin gefunden ist, steht dem großen Ereignis nichts mehr im Wege.

Wolfsburg ist der nördlichste WM-Spielplatz. Ein „Heimspiel“ ist eine Partie in der VW-Stadt für einen Schleswig-Holsteiner trotzdem nicht. Tagsüber nähert sich die Fahrzeit der Vier-Stunden-Grenze. Spätestens um 15.45 Uhr soll die Dithmarscher Delegation in Wolfsburg eintreffen.
Um diese Zeit ist das Stadion noch geschlossen und rundherum auch nicht viel los. Der „Meeting Point“ ist schnell gefunden, Daniela Waskow bald auf sich allein gestellt. Die Kinder werden ihr von drei Betreuern abgenommen. Während bereits die Nationalhymnen zu hören sind – die technische Generalprobe für das abendliche Ereignis –, erhalten Laura („Wir dürfen nicht winken“), Marie-Claire und Joris in einer großen Umkleidekabine Instruktionen. Das ist gar nicht so einfach, 19 weitere Kinder sind ja auch noch da und nehmen als erstes gelbe Trikots mit roten Brustringen in einer Sporttasche entgegen, die sie behalten dürfen.
„Ich hatte kurz einen Schock“, gibt Marie-Claire Iversen zu.

Diese Aufregung sieht man den Zehnjährigen zur Halbzeit noch an, als sie im Block 1, Reihe 9, Platz genommen haben. 2:0 führt der Außenseiter. Joris Waskow („Ich bin für Schweden“) findet das klasse.
An seiner Vorliebe hat auch die Einlaufzeremonie nichts geändert. Joris ist mit der Nummer 12 eingelaufen, Lauren Cheney, USA.
Eine Amerikanerin hat auch Marie-Claire Iversen erwischt, Marie-Claire wird im Spiel für Shannon Box, die Nummer 7, Sympathie bekunden, freilich zwecklos. Schweden gewinnt 2:1, geht als Gruppensieger im Viertelfinale Brasilien aus dem Weg, und führt ein flottes Tänzchen auf – mittendrin die Nummer 16, Linda Forsberg. Das ist Lauras „Patin“.

Schade, dass gerade Sommerpause ist: Joris Waskow hätte seinen E-Jugend-Kameraden von TuRa Meldorf so viel zu erzählen, Marie-Claire Iversen und Laura Kieseler den Mitspielerinnen beim TSV Barlt nicht weniger. Nachdem sie ausgeschlafen haben: Denn der Trip nach Wolfsburg endet am Donnerstag erst gegen 3 Uhr. So ist auch Daniela Waskow froh, dass eine Arbeitskollegin mit ihr die Schicht getauscht hat und sie im Marner „Holzland“ erst nachmittags beraten, verkaufen und dekorieren muss.
Während Merle Blesin und Schwester Hanna via Facebook bereits morgens um kurz nach Acht aufgeräumt von einem „tollen Tag gestern“ schwärmen.

Quelle: http://www.sportplatz.sh/sport/wm-geschichten-am-nabel-der-welt/

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