Top Aktuell
Schleswig-Holsteinische Schiedsrichter kehren aus ihrem Trainingslager in Belek zurück
An der türkischen Riviera absolvierten die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter ein genauso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Trainings- und Fortbildungsprogramm, das von Niedersachsens Verbands-Schiedsrichter-Lehrwart Bernd Domurat (Wilhelmshaven) koordiniert wurde.
Der Niedersachse Bernd Domurat, ehemaliger Zweitliga-Referee, zog denn auch ein positives Fazit: „Ich freue mich, dass wir einen so qualifizierten Schiedsrichter-Nachwuchs haben – die jungen Unparteiischen haben eine hohe sportliche, soziale und persönliche Kompetenz, das wurde auch in Belek ganz deutlich. Deshalb mache ich mir um die Zukunft der norddeutschen Schiedsrichter gar keine Sorgen. Und diese ausgezeichneten Erfahrungen motivieren uns dazu, die ehrenamtliche Arbeit für unseren Nachwuchs auch in Zukunft genauso fortzusetzen wie bisher.“
Zu den hochqualifizierten Referenten gehörte neben anderen der renommierte und bundesligaerfahrene Sportmediziner und Trainer Dr. Bernd Brexendorf aus Heikendorf (u.a. Schalke 04). Der 55-jährige Brexendorf, der auch Erfahrungen als Profi-Spieler hat, empfahl den jungen Nachwuchs-Unparteiischen, mindestens einmal pro Jahr einen medizinischen Check vornehmen machen, um durch diese Prävention Sportverletzungen möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen.
Übrigens: Auch Schleswig-Holstein-Liga-Schiedsrichterin Kathrin Meingast (GW Todenbüttel) war als Fotografin intensiv in den Lehrgang mit eingebunden – sie machte fast 2000 Bilder von „Belek 2010“.
Neben den täglichen Trainingseinheiten machten aber weitere Programmpunkte die Besonderheit des Lehrganges aus – zum Beispiel eben die Hilfe für den Verein „Wir kennen keine Hindernisse“, der eine moderne Behindertenwerkstatt unterhält, in der in verschiedenen Schichten pro Tag etwa 100 Kinder geschult und in aufwändigem Einzelunterricht auch physiotherapeutisch behandelt werden können.
Vereinspräsident Özkan Gönenc, der selbst sehbehindert ist: „Unsere Einrichtung zeigt, dass ein Leben auch mit Behinderung so normal wie möglich sein kann und sein muss. Wir wollen genauso wie alle anderen Menschen normal in der Gesellschaft leben.“ Özkan Gönenc dankte den norddeutschen Schiedsrichtern um Delegationsleiter Dieter Jerzewski (Ehrenpräsident des Norddeutschen Fußballverbandes), Wilfried Heitmann (Vorsitzender des Norddeutschen Schiedsrichterausschusses), Egon Biere (Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses), Wilfred Diekert (Vorsitzender des Hamburger Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses) und Wolfgang Mierswa (Vorsitzender des Niedersächsischen Schiedsrichterausschusses) sehr für die Unterstützung aus Deutschland.
So viel Freude strahlte aus den Gesichtern der 17-jährigen Busra Zoroglan und des 13-jährigen Faruk in der Behinderteneinrichtung des Vereins „Wir kennen keinen Hindernisse“ in Antalya, dass die von dieser Szene tief bewegten Schleswig-Holsteinischen Schiedsrichter David Bornhöft (TuS Garbek) und Björn Hinrichs (SV Rödemis) doch einmal kräftig schlucken mussten. David Bornhöft und Björn Hinrichs gehörten zu den rund 70 norddeutschen Schiedsrichtern, Beobachtern und Referenten, darunter elf Frauen und Männer aus dem Schleswig-Holsteinischen Fußballverband, die jetzt nach einer Woche Trainingslager aus dem türkischen Belek wieder nach Hause zurückgekehrt sind. Und neben einem anspruchsvollen sportpraktischen und theoretischen Fortbildungsprogramm stand das soziale Engagement der Schiedsrichter im Zentrum des Aufenthaltes: Die Referees unterstützten den Verein „Wir kennen keine Hindernisse“, der in etwa mit der deutschen Lebenshilfe vergleichbar ist, mit medizinischen Geräten, mit einem Spendenscheck über 2000 Euro und mit Spielzeug für die zum Teil schwerst behinderten Kinder und Jugendlichen.
Ein besonderer Höhepunkt war das Freundschaftsspiel gegen die türkischen Schiedsrichterkollegen. In einem spannenden, von FIFA-Frauen-Schiedsrichterin Riem Hussein aus Bad Harzburg problemlos geleiteten Partie trennte man sich am Ende 2:2. Viel wichtiger als das Ergebnis war für die Unparteiischen aus Deutschland und der Türkei aber vielmehr, dass die freundschaftlichen Kontakte, die es seit zehn Jahren gibt, durch den Aufenthalt in Belek weiter ausgebaut und vertieft werden konnten. Und was wahre Gastfreundschaft ist, das erlebten die norddeutschen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter bei einem „türkischen Abend“, zu denen die NFV-Unparteiischen von ihren türkischen Freunden eingeladen wurden.
Intensiv geschult wurden die Teilnehmer auch in den Bereichen Persönlichkeitsbildung, Kommunikation und Medienkompetenz: So gehörten Lehreinheiten zur Körpersprache genauso mit zum Programm dazu wie der professionelle Umgang des Schiedsrichters mit Journalisten und das adäquate Verhalten bei Interviews. Dazu analysierten die Referees verschiedene Fernsehinterviews und erarbeiteten an praktischen Beispielen, wie man eine im Spiel getroffene Entscheidung in wenigen Sätzen vor der Kamera verständlich und sachlich erläutert.
Egon Biere, Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Verbands-Schiedsrichterausschusses: „Das Programm unseres Trainingslagers in Belek stellte hohe Anforderungen an die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Einen guten Schiedsrichter machen auch und gerade die persönlichen, sozialen und kulturellen Qualitäten aus, und hier lag ein Schwerpunkt dieses besonderen Trainingslagers in der Türkei. Ich bin extrem positiv überrascht, wie ausgezeichnet unsere jungen Unparteiischen diesen hohen Ansprüchen gerecht wurden und wie sehr sie sich sozial engagiert haben. Durch dieses Trainingslager wurde die Gemeinschaft der norddeutschen und auch der türkischen Schiedsrichter noch enger zusammengeschweißt. Im Gegensatz zu den zeitlich begrenzten, normalen Lehrgängen im Jahr gab es nämlich über das anspruchsvolle Programm hinaus viele Gelegenheiten, sich gegenseitig noch besser kennenzulernen. Auch das zeichnet dieses besondere Trainingslager in Belek aus, das aus meiner Sicht auch in Zukunft regelmäßig stattfinden sollte.“
zurück