Schiedsrichter
Mirka Derlin: 4. Offizielle vor 12.000 Zuschauern
Eine besondere Ehre wurde Schiedsrichterin Mirka Derlin aus der Leistungsklasse I des SHFV zu teil. Die 26-Jährige war für das Frauen-Länderspiel zwischen Deutschland und Schweden (1:0) am 26. Oktober am Hamburger Millerntorstadion als 4. Offizielle nominiert. Die Geschehnisse rund um das Länderspiel schildert Mirka Derlin in ihrem Erlebnisbericht:

„Der 26. Oktober 2011 war ein ganz besonderer Tag in meiner Schiedsrichterlaufbahn. Ich war für das Freundschaftsspiel zwischen den Frauennationalmannschaften von Deutschland und Schweden am Millerntor als 4. Offizielle nominiert.
Als Schiedsrichterin fungierte in diesem Spiel die griechische Schiedsrichterin Efthalia Mitsi, die an den Linien von meinen deutschen Schiedsrichterkolleginnen Inka Müller-Schmäh aus Berlin und Marija Kurtes aus Düsseldorf unterstützt wurde.
Nach meiner Ankunft um 15.00 Uhr im Hotel, rund drei Stunden vor dem Anstoß, tranken wir eine Kleinigkeit und zogen uns bereits zur ersten Absprache zurück. Für mich gab es an dem Tag mehrere Premieren, z.B. die Gespannabsprache auf Englisch und die Headset-unterstützte Kommunikation. Um ca. 16.15 Uhr wurden wir abgeholt und zum Stadion gefahren. Meine Aufregung wuchs, schließlich waren die ersten Zuschauer auch schon da. Bei der Platzbegehung unterhielten wir uns über weitere Details aufbauend auf der Absprache im Hotel. Die meisten Aspekte wie z.B. Zeitpunkt der Ausrüstungskontrolle und des Auflaufens waren bereits in einem Protokoll festgelegt. Schließlich wurde uns der Verantwortliche fürs Fernsehen vorgestellt - die Partie wurde live im TV übertragen.
Nachdem wir uns umgezogen hatten, bestand meine erste Aufgabe darin, um 17:00 Uhr die Ausrüstung beider Mannschaften zu kontrollieren. Im Unterschied zu einem Bundesligaspiel erfolgten bei diesem Spiel zwei Ausrüstungskontrollen. Direkt vor dem Auflaufen wurde die Ausrüstung erneut kontrolliert. In dieser ersten Kontrolle musste ich mir jedes Trikot der Startelf zeigen lassen und mit den Rückennummern auf dem Spielberichtsbogen vergleichen.
Nach meiner Rückkehr in die Schiedsrichterkabine rüsteten wir uns mit dem Headset aus und überprüften dessen Funktion. Gemäß Zeitplan sollten die Mannschaften und das SR-Team zehn Minuten vorm Anstoß die Kabinen verlassen und in Richtung des Spielfeldes gehen, um eine pünktlichen Anpfiff zu gewährleisten. Ich verließ ca. 15 Minuten vor Anpfiff die Kabine, um die Tornetze zu überprüfen und eventuelle Mängel beheben zu lassen.
Das Gefühl beim Betreten des Platzes war überwältigend. Ich hatte nicht das Gefühl, dass im Stadion nur 12.000 Zuschauer waren. Ich nahm meinen Platz an der Seitenlinie in der Mitte ein, die Auflaufmusik ertönte, die Zuschauer des Stadions erhoben sich, klatschten und die Mannschaften liefen ein.
Nach der Seitenwahl musste ich den Schwedinnen erklären, wo sie sich warm machen sollten. Im Unterschied zu Spielen innerhalb des DFB durften sich Auswechselspielerinnen bei diesem Spiel über die gesamte Torausseite hinter dem eigenen Tor warm laufen.
Direkt nach der Halbzeit kam es dann zum ersten Wechsel. Ich durfte die Jung-Nationalspielerin Alexandra Popp für Inka Grings einwechseln. Nach dem ersten Wechsel machte ich mir Gedanken, wie ich wohl geguckt habe. Zu ernst? Verkrampft? Nach dem zweiten Wechsel schossen mir dieselben Gedanken durch den Kopf. Im Spiel gab es insgesamt zehn Wechsel, teilweise auch Doppelwechsel. Damit war ich in der zweiten Halbzeit als 4. Offizielle ausreichend beschäftigt. Am Ende des Spieles konnte ich dann mit meiner Anzeigetafel zwei Minuten Nachspielzeit anzeigen.
Nach dem Spiel waren alle mit der Leistung des Schiedsrichtegespanns zufrieden. Ich war glücklich über eine weitere Erfahrung in meiner Schiedsrichterlaufbahn vor einer tollen Kulisse, die ich so schnell nicht vergessen werde. Mein Dank gilt meinen beiden deutschen Schiedsrichterkolleginnen, die mich toll in diese Aufgabe eingewiesen und dabei unterstützt haben."
zurück